Das therapeutische Wunder Familienaufstellungen!
Artikel über meine Arbeit von Frau Hofmann im »Sonnenwind« Ausgabe 4 BNE-Verlag: Tel.:01805588900
 

Mit dem Ansteigen des globalen Bewußtseins andern sich die Therapieformen. Sie werden schlichter, genialer, effektiver und finden auf einer Ebene statt auf der sich Esoteriker und Nichtesoteriker in Übereinstimmung treffen. Man muß nur nahe genug an die Essenz des Lebens herantreten, und es zeigt sich, daß letztlich alle dieselbe Sprache sprechen. Das für mich Faszinierendste an Familienaufstellungen ist jedoch, wie sie ohne jede Einschränkung die hellsichtigen Fähigkeiten absolut aller Menschen freilegen. Man kommt gar nicht drumherum hellzusehen - und siehe da - es klappt bei ALLEN!

Der Begriff »Familienaufstellungen« war bereits seit längerem immer wieder in meinem Umfeld aufgetaucht. Jeder zweite schien hinzugeben und alle waren begeistert. Allein mich interessierte es nicht. Es war eine Therapieform, und auch, wenn sie nur aus 4 Tagen Gruppenarbeit bestand, war es prinzipiell eine Therapieform, und Therapien interessierten mich nicht.

Gleichzeitig sagten mir immer wieder Heiler und Hellsichtige, ich hätte noch »Familienkarma« in meinem Zellgedächtnis gespeichert. Ich müsste diese erlösen, um vollkommen frei sein zu können. »Unchained from destiny« (befreit von den Ketten des Schicksals) heißt zwar auch eins meiner Lieblingslieder, aber ich fand, man brauche dazu keine Therapie.

Dann geschahen allerdings ein paar Dinge in meinem Leben, die mich an einen spirituellen Witz erinnerten, der aus der Bibel stammen soll (die Religionsvertreter würden wahrscheinlich eher »Gleichnis« statt »Witz« dazu sagen):

Es herrscht eine Überschwemmung, und ein Mann sitzt auf dem Dach seines Hauses, da der Rest schon unter Wasser seht und betet zu Gott, er möge etwas unternehmen und ihn retten. Kurz darauf kommt ein Boot vorbei und will den Mann mitnehmen. Der will aber nicht. Fr sagt, er sei sicher, daß Gott ihn retten werde und er bleibe. Der Mann betet weiter, und es kommen noch zwei weitere Boote vorbei. Der Mann aber bleibt auf seinem Dach und betet weiter. Die Flut steigt jedoch an, und schließlich ertrinkt der Mann. Im Himmel angekommen, begibt er sich schnurstracks zu Gott und beschwert sich: »Also hör mal, ich habe doch die ganze Zeit gebetet, daß du mich rettest? Wieso hast du nichts getan?« »Wieso?«, wundert sich Gott, »ich habe dir doch drei Boote vorbeigeschickt!« Ich kam mir bezüglich eines Bereiches in meinem eigenen Leben plötzlich so vor, als würde ich ebenfalls etwas haben wollen und würde aber stur an einer bestimmten Vorstellung festhalten, wie das zu funktionieren habe. Währenddessen fahren in fast schon penetranter Offensichtlichkeit die Boote vor meine Nase vorbei (=Hinweise auf Familienaufstellungen), aber ich will kein Boot, weil ich irgendeine festgefahrene Vorstellung habe.

Dann fiel mir noch ein, wie oft sich die größten Geschenke des Lebens hinter den Dingen verbergen, die man meint, am allermeisten abzulehnen. Der Gedanke war es dann letztlich, der mich neugierig machte: »Stimmt, das hast du schon so oft erlebt, daß du zuerst etwas total »out« findest, und kaum probierst du es aus, findest du es unvergleichlich schön und erfüllend. Wer weiß, was sich Tolles hinter den Familienaufstellungen verbirgt, die ich so »megauninteressant« finde?? Das muß ich sofort wissen, nichts wie hin!!«

Wenn etwas nämlich wirklich nichts für mich ist, dann wird meine Aufmerksamkeit einfach gar nicht davon angezogen. Positive wie negative Zuwendungen deuten beide auf eine vorhandene Resonanz hin. Keine Resonanz zeigt sich darin, daß etwas gar nicht in meinem Leben auftaucht.

Ich sah, erkannte und setzte sofort um: Ich hatte Anschriften von verschiedenen Therapeuten und fühlte mich von zweien davon angezogen und meldete mich schließlich bei dem an, der den nächsten Termin frei hatte.

Man muß es erleben

Jetzt weiß ich gar nicht so recht, wie ich diese 4 Tage in Worte fassen soll. Das kann man gar nicht so richtig. Man muß es erleben, sonst erfaßt man höchstens einen winzigen Bruchteil dessen, was dort geschieht.

Vielleicht ein paar »rein technische Daten« vorweg. Wir waren 25 Menschen im Alter von 22 bis 70 Jahren. Es gab ein paar spirituell Interessierte, aber die meisten schienen aus dem »ganz normalen Alltag« zu kommen und hatten vorher noch keinerlei Kontakte zu irgendeiner spirituellen Richtung gehabt.

Wir legten fast sofort los. Es gab eine kurze Vorstellungsrunde, in der alle ihren Vornamen, Beruf und ihr Anliegen in Kurzform nannten. Dann begann bereits die erste Aufstellung. Es meldete sich immer einer freiwillig. Man kam nur dann dran, wenn man das Gefühl hatte, daß man jetzt bereit sei. Man mußte auch nicht, aber außer einem haben alle eine Aufstellung gemacht.

Die Aufstellung selbst funktioniert so, daß man sich auf den »heißen Stuhl« neben dem Therapeuten setzt und ganz kurz sein Anliegen nennt. Beispielsweise ein gespanntes Verhältnis zur Familie, Probleme in der aktuellen Familie, Beziehung etc. Man zählt dann alle involvierten Personen auf. Interpretationen oder wer was warum macht und wieso man meint, daß dieses oder jenes nicht so klappt, sind unwichtig. Wichtig sind nur die »hatten Fakten«: Wer ist da und in welcher Form. Auch verstorbene nahe Verwandte oder abgetriebene Kinder können eine Rolle spielen.

Der Therapeut fühlt sich in die Energie der Person ein und entscheidet dann, mit wem angefangen wird. Man steht dann beispielsweise auf und sucht sich eine Person, die den Vater spielt, eine für die Mutter, Personen stellvertretend für die Geschwister und eine Person für einen selbst.

Die Aufstellung erfolgt ganz nach dem Gefühl im Moment

Dann berührt man die Stellvertreter für die Aufstellung an den Schultern und stellt sie ganz nach dem Gefühl im Moment auf. Es ergeben sich völlig unterschiedliche Konstellationen dadurch. Manchmal sehen die aufgestellten Familienmitglieder sich an, manchmal stehen sie mit dem Rücken zueinander, manchmal extrem nah, manchmal extrem weit weg.

Dann setzt sich der oder die Aufsteller/in, und die Aufgestellten fühlen sich in ihre Position ein und schauen sich die anderen Familienmitglieder an und fühlen nur, was für ein Gefühl sie dabei haben. Dann fragt der Therapeut ganz einfach nur die einzelnen Personen, wie es ihnen an dem Platz, an dem sie gerade stehen, geht. Sonst nichts!

Hier kommt der Punkt, an dem ich die Befürchtung hatte, ich könnte vielleicht gar nichts fühlen oder nicht wissen, wie es mir geht. Denn ich bin ja schließlich keine Hellseherin - dachte ich. Was an dieser Stelle geschieht, ist jedoch von solch schlichter Genialität und beweist ein weiteres Mal die unvorstellbare Größe und Einmaligkeit der Schöpfung und Natur, in der zu jeder Zeit alles enthalten ist.

Man steht zum allerersten Mal im Leben in so einer Aufstellung und man weiß so gut wie nichts über die Familie, um die es geht. Aber weil es so wenig Umwelteinflüsse gibt, weil man eigentlich gar nichts weiß, weil Nachdenken keinen Sinn bat und weil man einfach nur irgendwie steht und ein paar andere Personen stehen irgendwie anders, genau deshalb gibt es so minimal wenig wahrzunehmen, daß man genau dieses Wenige - letztlich, wie man hinterher erkennt, aufs wesentliche Reduzierte - doch wahrnimmt.

Beispielsweise könnte ich weit weg von allen mit dem Rücken zu ihnen stehen und werde in dieser Position gefragt, wie es mir geht.

Das Seltsame ist, ich weiß einfach, wie es mir geht. Entweder schlecht oder gut. Manchmal stehe ich da und fühle mich ganz stabil, manchmal stehe ich da und habe Atemnot. Manchmal schwanke ich beim Stehen, manchmal stehe ich fest. Manche Personen der Aufstellung interessieren mich beim Hingucken, andere sagen mir nichts. Es greift ein höherer Mechanismus, der einen in die Rolle der aufgestellten Person schlüpfen läßt, und man wird ganz einfach zu dieser Person und nimmt deren Gefühle wahr. Punkt.

Man »ist« in der Rolle, man muß sie nicht spielen

Man muß dort gewesen sein, um es zu verstehen, sonst glaubt man es wahrscheinlich nie. Ich wurde gleich in der allerersten Aufstellung aufgestellt und wurde plötzlich so traurig, daß mir die Tränen kamen. Mein Kopf wollte sich gleich genieren und mit irgendwas erzählen, daß ich nicht ganz normal sein könne, ich müsse doch wirklich therapiebedürftig sein, wieso ich denn inmitten irgendeiner scheinbar fremden Szene plötzlich losheule usw.; usf.

Es stellte sich aber heraus, daß die Person, für die ich stand, sich wirklich völlig alleine, vernachlässigt und einfach übersehen fühlte und darüber sehr traurig war. Als mein Gegenüber plötzlich Notiz von mir nahm und mich völlig erstaunt von oben bis unten musterte, geschah wieder etwas Seltsames. So plötzlich, wie die Traurigkeit über mich gekommen war, so plötzlich fühlte ich mich nun beruhigt und getröstet. Endlich wurde ich überhaupt zur Kenntnis genommen. Je länger mein Gegenüber guckte und je offener und intensiver sie guckte, desto wohliger fühlte ich mich. Endlich wurde ich nicht mehr übersehen. Endlich wurde meine Existenz anerkannt. Genauso fühlte ich mich, und es gab keinen Zweifel über dieses Gefühl.

Im nachhinein kann ich sagen, daß meine eigene Aufstellung nur ein Teil des ganzen Erlebnisses war. Ich habe genauso viel aus jeder einzelnen Aufstellung der anderen mitgenommen. Man findet sich an der Wurzel der Gefühle in jedem anderen genauso wieder. Und das geht jedem so. Die 70jährige spielte ihre Rollen genauso gut, wie der 22jährige als Großvater oder als abgetriebenes Kind. Diese Aufstellungen reduzieren das Leben so auf seine Basis, daß keiner sie verpassen kann. Hilfreich ist natürlich auch das Flair von Selbstverständlichkeit, das unser Therapeut verbreitet, so als wäre da gar nichts Merkwürdiges dabei. Das färbte auf alle ab, und es gab einfach keine Alternative - alle konnten es!

Ich haßte den kleinen Bruder, bis die Eltern Frieden schlossen

Einmal wurde ich als l8jährige Tochter aus erster Ehe aufgestellt. Diese Tochter lebte mit ihrem Vater bei der zweiten Frau und ihrem 4jäbrigen Halbbruder. Ich fühlte mich in dieser Rolle motzig und hatte gar keine Lust, mich irgendeinem Gefühl wirklich zu öffnen. Meinen kleinen Bruder haßte ich, und die neue Frau meines Vater sah ich zwar, aber ich konnte sie überhaupt nicht fühlen. Sie interessierte mich nicht.

Der zweite Schritt in den Aufstellungen ist immer, daß man die Bilder verändert indem man u.a. schaut, wer wo stehen möchte, so daß er sich wohlfühlt und was in den Beziehungen untereinander geändert und geklärt werden muß. Durch »heilende Worte«, die der Therapeut vorspricht und die man nachspricht, und durch neue heilende Bilder wird die Situation in meinem Inneren geändert. Das genau ist das, was zählt. Die äußere Situation kann sein, wie sie will. Mein inneres Gefühl dazu ist das, was wirklich zählt.

In dem Fall mit der Tochter aus erster Ehe klärte der Vater seine Beziehung zu seiner Frau aus erster Ehe. Wir spielten die Situation einfach. Das »Drehbuch« ergab sich aus der aufgestellten Situation, und der Therapeut soufflierte nach seinem Gefühl, so wie er es gemeinsam mit dem Aufsteller als richtig erspürte. Und wieder war ich völlig fasziniert, wie sehr ich in der Rolle der Tochter war. Als meine »Eltern« Frieden schlossen, fing ich auf einmal an, meinen Halbbruder doch zu mögen, und ich wurde neugierig auf meine Stiefmutter und empfand ein regelrechtes Gefühl von Freude darauf, sie überhaupt erstmals richtig kennenzulernen. Das Bild des Friedens zwischen meinen Eltern machte es möglich. Die Frau aus zweiter Ehe des betreffenden Mannes (der die Situation aufgestellt hatte) war auch real anwesend und spielte sich selbst. Ich hatte das Gefühl, auch sie war erleichtert, daß die Situation mit der ersten Frau geklärt wurde, und sie spürte, wie sehr das der Tochter aus erster Ehe gut tat.

Auswirkungen auf die Realität

Jetzt wird der kritische Geist einwenden: »Ja, aber in der Realität ist es doch dann trotzdem nicht so. Die aufgestellten Personen sind in der Realität höchstwahrscheinlich nach wie vor unfreundlich und unausgeglichen wie immer. Was nutzt mir da so eine Phantasie-Aufstellung?«

Das ist wieder ein Punkt, den man erlebt haben muß, um ein wirklich tiefes Verständnis dafür zu entwickeln. Worte sind hier völlig unzureichend. Dreierlei kann ich anmerken dazu, aber nichts wird der Wirklichkeit nahe kommen. Man muß es erlebt haben.

Zum einen ist für mein Leben alles Äußere weit, weit unwichtiger, als ich denke. Meine inneren Bilder und Gefühle dazu sind wichtig. Diese kann ich korrigieren und in heilende Bilder umwandeln. Selbst wenn alle Beteiligten tot, ermordet oder weit weg sind. Eine Frau hatten wir dabei, deren Mutter ermordet wurde, als sie 2 Jahre alt war. Sie war im Moment des Mordes außerdem auf dem Arm der Mutter gewesen. Selbst zu so einer extremen Situation entsteht bei der Aufstellung das richtige Bild, das das Innere heilen kann.

Zweitens sind wir alle energetisch miteinander verbunden. Die Seele des anderen spürt, wenn ich mein inneres Bild zu ihr verändere. Eine alleinerziehende Mutter hatte ein Erlebnis, daß nach ihrer Aufstellung, in der sie sich den Vater und das gemeinsame Kind aufgestellt hatte, der Vater plötzlich den Wunsch verspürte, mehr Verantwortung zu übernehmen und sich mehr um das Kind zu kümmern, ohne daß sie ihm etwas gesagt hatte. Außerdem erkannte sie, daß das Kind schon in dem Moment nicht mehr ohne Vater aufwächst, wenn sie ihre Einstellung zum Vater ändert. Denn immer, wenn sie das Kind ansieht, sieht sie zumindest unbewußt auch den Vater des Kindes in dem Kind. Denn energetisch und genetisch besteht das Kind zu 50% aus diesem Vater. Wenn die Mutter mit Verachtung und Wut auf den Vater sieht, dann fühlt das Kind sich teilweise abgelehnt.

Energetisch mit dem Vater aufwachsen, auch wenn er physisch abwesend ist

Durch die Aufstellung kann sie neu erleben, wie es ist, den Vater als Vater ihres Kindes zu achten, egal was immer sonst ist oder war. Wenn sie mit diesem Gefühl der Achtung vor dem Vater auf diese Anteile in ihrem Kind sieht, dann ist das Kind energetisch in Liebe mit seinem Vater verbunden und wächst nicht wirklich ohne Vater auf. Auch wenn er physisch abwesend ist. Man muß den Unterschied fühlen. Man muß bei so einer Aufstellung dabei sein. Man kann sie nicht im Kopf lösen, es geht nur im Herzen.

Drittens (ich war bei der Frage der Auswirkungen der Aufstellungen auf die Realität - ich mußte gerade selber noch mal nachsehen, wie ich hier gelandet bin) bekommt man bei solch einem 4-Tage-Erlebnis ein neues Gefühl für Realität und für das, was wirklich wichtig ist. Auch ich wußte mit dem Verstand, daß die Leute, die sich am meisten hassen, sich auf Seelenebene auch am meisten lieben.

Die Seele kennt kein »+« und »-«

Denn die Seele nimmt nur das Ausmaß der Zuwendung wahr, ohne sich für das Vorzeichen »plus« oder »minus« zu interessieren. Leute, die die Seele nicht liebt, die sieht sie nicht. Sie übersieht sie und ist leidenschaftslos. Das Gefühl kennt sicher jeder. Es gibt Menschen, »die führen sich auf« und ich reagiere unheimlich ärgerlich und wütend darauf Dann gibt es andere Menschen, die machen letztlich genau dasselbe, aber diese Menschen sind mir so egal, daß ich es kaum zur Kenntnis nehme und mich einfach nur von diesen Menschen entferne, ohne weitere Emotionen zu entwickeln.

In solchen Momenten bat meine Seele mir quasi mitgeteilt, daß sie den einen Menschen mag und zu dem anderen wenig Resonanz hat. Wenn Menschen, die ich liebe, nicht in Harmonie sind, dann tut es mir web. Und genau dann, wenn mir der Schmerz zu groß ist, nehme ich stattdessen Ärger wahr. Das ist leichter!

Der langen Rede kurzer Sinn: Was die Seele beispielsweise wichtig findet, ist, ob mir jemand mein Leben geschenkt hat (die Eltern), oder nicht. Nicht, wie die Eltern leben und warum sie was tun oder lassen. Und so hassen wir genau die Menschen am meisten, bei denen das Gefühl der Liebe zu schmerzhaft wäre, wenn wir mit dem Betreffenden nicht in Harmonie sein können (weil der andere beispielsweise ein aggressiver Alkoholiker ist oder mindestens einer von uns nicht in seiner Mitte ist).

Was wir bei den Aufstellungen tun, ist, der Seele ein Stück näherzurücken und zu fühlen, was das wirkliche Gefühl ist. Wenn jemand mich täglich anschreit und traktiert, ist das vielleicht ein guter Grund auszuziehen. Aber ich kann in einer Aufstellung die hinter der Wut versteckte Liebe wieder spüren. Ich kann meine inneren Bilder heilen und spüren und fühlen, was diese extreme Zuwendung des anderen, auch wenn sie sich als Wut zeigt, letztlich bedeutet. Dadurch daß ich die Essenz dahinter erlebe und fühle, heile ich mich. Und ich gebe damit den ersten Schritt, daß sich auch im Außen etwas ändern kann. Solange ich niemals hinter die alten Bilder schaue, trage ich selbst dazu bei, daß sich nichts ändern kann. Ich kann immer nur mich selbst ändern.

Ein Beispiel aus der Praxis

Eigentlich ist der Artikel schon wieder viel zu lang geworden - aber ich hätte da noch so ein schönes Beispiel.. Hhm, egal, ich will es Euch nicht vorenthalten. Ich finde das Beispiel einfach zu schön. Ich hatte mich nach meinem Aufstellungswochenende (Do. abend – So.) gestern mit einer Frau unterhalten, die vor einem Jahr bei einem anderen Therapeuten ebenfalls eine Aufstellung gemacht hatte und die mir von ihrer Aufstellung berichtete. Ihr Anliegen war ihr Exmann gewesen. Sie war geschieden, und ihr Mann hatte wieder geheiratet. Sie spürte aber immer noch eine sehr starke Verbindung zu ihrem Exmann und hatte das Gefühl, nach wie vor seine eigentliche »große Liebe« zu sein. Das ließ sie nicht zur Ruhe kommen.

In der Aufstellung wurden zuerst einmal sie und Ihr Exmann aufgestellt. Was beide spürten, war ein starkes sehnsuchtsvolles Verlangen, das nicht erfüllt wurde. Dann nahm der Therapeut seine beiden Eltern dazu und klärte das Verhältnis und die Energien zwischen Eltern und Kind. Als die Frau dann ihren Exmann wieder ansah, fühlte sie sich überwältigt von der Stärke und Kraft, die er auf einmal hatte. Sie fühlte gleichzeitig einen Schwall von bedingungsloser (nicht sexueller) Liebe von ihm kommend, den sie kaum aushalten konnte.

Als nächstes stellte der Therapeut ihre Eltern mit auf und klärte diese Situation. Als sie danach ihren Exmann wieder ansah, fühlte sie sich erstmals wie ein erwachsener Mensch, der den anderen in Liebe ansieht. Vorher, das empfand sie nun, waren sei beide nur zwei verlorene Kinder gewesen, die ihre Defizite bei ihrem Partner aufholen wollten. Sie hatten beide etwas beim Partner gesucht, was dort niemals zu finden war. Diese gleiche Situation hatte sie verbunden.

Sie fühlte nun zwar immer noch Liebe, aber das Gefühl des »ihn brauchens« hatte sich völlig aufgelöst. Es war eine reifere Form der Liebe, und trotz dieser Liebe war auch das Verlangen, bei ihm zu sein, fast verschwunden.

Der Therapeut folgte seinem Gefühl und stellte nun die neue Ehefrau des Exmannes auf. Die Frau fühlte sich fast erschrocken, als sie die beiden zusammen ansah, weil sie das Gefühl hatte, daß sie die Entscheidung ihres Exmannes bisher nie akzeptiert hatte und daß sie keinerlei Achtung vor seiner neuen Ehe gehabt hatte. Jetzt aber, da sie sich beide ganz in ihrer Kraft als Mann und Frau und nicht als hilflose Kinder gegenüberstanden, jetzt verspürte sie den dringenden Wunsch, sich zu entschuldigen und ab sofort die zweite Ehe ihres Mannes zu achten. Plötzlich konnte sie das Gefühl nicht mehr ertragen, seine zweite Ehe mit ihrer Energie zu stören und zum Unglück dieser zwei Menschen statt zu ihrem Glück beizutragen. So konnte sie sich ganz überraschend in Frieden verabschieden und ihn innerlich loslassen.

Der Therapeut fühlte die Echtheit dieses Gefühls und hatte noch einen Einfall: er stellte die neue Beziehung der Frau auf. Eine Beziehung, die kommen könnte oder würde. Sie hatte seit ihrer Scheidung keine mehr gehabt. Er stellte die Frau, mit ihren Eltern im Rücken, dem neuen Mann mit seinen Eltern im Rücken gegenüber. Diese Situation sollte zwei Menschen symbolisieren, die beide ein harmonisches Bild ihrer Herkunftsfamilie haben und sich ganz in ihrer Kraft als Mann oder Frau befinden.

Das sei mit das Beste an der ganzen Aufstellung gewesen, sagte mir die Frau. Sie habe erstmals das Gefühl gehabt, spüren zu können, wie schön, gesund und kraftvoll Beziehungen auch sein können. Es war ein Gefühl, daß sie bisher noch nie gelebt hatte, aber nun wußte sie, was es war, was sie in einer Partnerschaft wirklich suchte. Mit diesem neuen, heilen Bild begegnete sie offen dem Leben und einige Monate später auch einem Mann, der sich so anfühlte, wie jener »neue« Mann in der Aufstellung. Tja, und was soll man sagen - Ende gut, alles gut. Vorhang!!

Ein letztes Anliegen habe ich persönlich noch. Kaum etwas im Leben bat mir je mehr als dieses Wochenende gezeigt, wie sehr alle Menschen letztlich miteinander verbunden sind und wie nah wir uns sind, wenn wir unsere Fassaden und Rüstungen fallenlassen.

Es wäre mir eine besondere Freude, wenn gerade dieser Artikel besonders oft kopiert und verteilt würde - an Esoteriker und Nichtesoteriker, das spielt bei diesem Thema keinerlei Rolle mehr.

So wie wir in der Gruppe verbunden waren, so ist letztlich die ganze Welt verbunden. Das, was wir in so einer Gruppe tun und erleben, wirkt hinaus in die Welt. Es wirkt auf unsere Familien, auf die Personen, die wir aufgestellt haben und auf die, die uns begegnen.

Das Zusammenwirken und Einssein so vieler, zu Beginn völlig fremder Menschen wirkt aber auch hinaus in die Welt und stellt eine Erfahrung dar, die den Wunsch nach Frieden in der ganzen Welt verstärken kann.

Man sollte niemandem aufschwatzen hinzugeben, wenn er sich nicht davon angesprochen fühlt, aber es wäre schade um jeden, den es ansprechen würde, bei dem es nur daran scheitert, daß er gar nichts davon weiß. Und deswegen freue ich mich über jede Kopie dieses Artikels, die frei nach Gefühl verteilt wird. Vielen Dank im voraus daher an alle Kopierer und Verteiler.